Die Geschichte unserer Kleingartenanlage "Am Petersberg"- Vereinsgeschichte.


Verwendet wurde:
Festschrift; 60 Jahre Kleingartenanlage "Am Petersberg" e. V 1983
Autor: Herr Brüll.
Festschrift; 80 Jahre Kleingartenanlage "Am Petersberg" e. V. 2003
Autor: E. Schindler
Ergänzungen von Holger Werner

 

Es dürfte wohl kaum ein anderes Gelände in den Mauern unserer alten ehrwürdigen Stadt Erfurt geben, welches so eine historische Vergangenheit aufzuweisen hat, wie es das Gelände des Petersberges ist.

Das zwischen Domplatz, Lauentor-, Biereye-, Gutenberg-, Blumen- und Andreasstraße gelegene Gelände beheimatet an dessen Nord- und Westseite die heutige Kleingartenanlage „Am Petersberg“, die in diesem Jahr stolz auf ihr 80-jähriges Bestehen zurückblicken kann und damit auch zugleich mit einer der ältesten Kleingartenanlagen innerhalb der Mauern der Stadt Erfurt sein dürfte.


Gartenfreunde der "ersten Stunde". Im Hintergrund die Defensionskaserne auf der Zitadelle Petersberg. (Foto: Privat Herr Leipold)

 

 Der Anfang

 

Nach dem 1.Weltkrieg 1914 bis 1918 gestattete der Versailler Vertrag dem damaligen Deutschen Reich die Unterhaltung eines Heeres bis 100 000 Mann. Der Petersberg wurde mit kasernierter Polizei unterhalb der Festungsanlagen, Auffahrt Petersberg, belegt. Auf die ehemalige Festung und in die Hornwergkaserne zog die Reichswehr ein. Die neben den Kasernen noch vorhandenen Wohngebäude wurden von den Familienangehörigen der Polizei und Reichswehrsoldaten bezogen. Jedes Stückchen Land zwischen den Kasernen und übrigen Gelände wurde von ihnen urbar gemacht. Gräben wurden aufgefüllt, Mutterboden aufgetragen. So entstand allmählich eine in sich geschlossene Gartenanlage. Auch die ersten kulturellen Einrichtungen, wie Fest- und Spielwiese, sowie ein Kulturheim und Geräteschuppen, wurden in der Zeit errichtet. Es entwickelte sich die zunächst unorganisierte Interessengemeinschaft in kürzester Zeit zu einer erfolgreichen Gartengemeinschaft mit 55 Pächtern, davon 50 Polizeiangehörige. Die ersten Polizeiangehörige machten ab 1921 die Flächen urbar.

Am 17.10.1923, 4 Uhr nachmittags fand in der Defensions-Kaserne Petersberg die Gründungsversammlung des Kleingartenvereins „Petersberg“, Mitglied des Reichsverbandes der Kleingartenvereine Deutschlands, statt.

 In einem Auszug aus dem Protokoll dieser Gründungsversammlung lesen wir nach:

 Punkt 1: Annahme der Satzung

Die vorgelegte Satzung wurde von den Anwesenden einstimmig angenommen.

Punkt 2: Wahl des Gesamtvorstandes.

1. Vorsitzender: Reinhold Lenz, Pol. Oberwachtmeister, Nordhäuser Str. 21

2. Vorsitzender: Willi Stitterich, Hauptwachtmeister, Petersberg

1. Kassierer: Jakob Stunz, Sekretär der Polizei, Blücherstr. 49

2. Kassierer: Gustav Adler, Oberwachtmeister, Albrechtstr. 22

1. Schriftführer: Karl Stockhausen, Polizeiwachtmeister, Petersberg

2. Schriftführer: Hermann Herzog, Oberwachtmeister, Bergstr. 6

Beisitzer: Adam Buchenau, Obermeister, Auenstr. 4

Karl Thomas, Wachtmeister, Petersberg

Otto Müller, Holzhändler, Ludwigstr. 9

 Schon am 22.10.1923 erfolgte die Anerkennung des Antrages als gemeinnütziges Unternehmen durch das Amtsgericht:

Der Regierungspräsident Erfurt, den 22. Oktober 1923 Tgb. Nr. 4499 i.A.

Auf Antrag vom 19. Oktober 1923

Der Verein wird entsprechend seinem Antrag als ein gemeinnütziges Unternehmen zur Förderung des Kleingartenwesens auf Grund des § 5 Abs. 1 der Kleingarten-Pachtlandordnung vom 31. Juli 1919 widerruflich anerkannt.

Im Auftrage (unleserliche Unterschrift)

 

Zum gleichen Zeitpunkt erschien die erste Gartenordnung einschließlich der Satzung. Damit war der eigentliche Grundstein für unsere heutige Kleingartenanlage „Am Petersberg“ gelegt, deren äußere Grenze jedoch der heutige Hauptweg von der Auffahrt am Petersberg bis Auffahrt Blumenstraße bildete. Unterhalb unseres jetzigen Hauptweges bis zur Biereyestraße befand sich weiteres Glacisgelände.
Es etablierte sich hier längs des Geländes die Gemeinnützige Wohnungsbaugenossenschaft „Gut Heim“ zu Erfurt auf der andere Seite der Biereyestraße. Die damalige Oberpostdirektion Erfurt unterstützte die WBG finanziell, um für ihre hinzukommenden Mitarbeiter Wohnraum zu schaffen. Es entstanden in der Pestalozzi,- Reinthaler- und Biereyestraße über 25 Häuser für Postangestellte. Dieses Postviertel interessierte sich für das Glacisgelände zur Erstellung von Kleingärten. Es bildete sich parallel zur Kleingartenanlage „Polizei“ auf dem aufgeführten Gelände die Kleingartenanlage „Sparte Post“.
Beide Sparten waren zunächst unabhängig selbständig mit eigenem Vorstand und eigener Wasserversorgung. Bis heute bestehen getrennt die Wassereinspeisung aus dem städtischem Wassernetz am Eingang Gutenbergschule und am Eingang Blumenstraße. Im Zuge der weiteren Entwicklung beider Sparten nach nahezu gleichen Voraussetzungen entwickelte sich von den „Polizeiern“, als auch von den „Postlern“ alsbald der Wunsch, ein für beide Seiten vorteilhaftes Miteinander einzugehen. Es wurde eine Vereinsfahne für den Kleingartenverein geschaffen, in deren Mitte eine Obst/Gemüse Arrangement zu sehen war.
Der allseitig begrüßte Zusammenschluss zur Kleingartenanlage „Am Petersberg“ wurde eines Tages verwirklicht. Gemeinsam wurde die vorhandene Kulturbaracke "Kantine" erweitert und verbessert, die Spielwiese hergerichtet, die Haupt- und Außenzäune erneuert, stabile Gartentore angebracht und eine energische Schädlingsbekämpfung organisiert, um nur einige Meilensteine in der damaligen Weiterentwicklung zu nennen.
Zum Miteinander gehörten die jährlichen Gartenfeste. Es gehört bis heute zur guten Tradition das hier Preise und Ehrungen an die Mitglieder übergeben werden.

Gartenfest 1934. (Foto: Privat Herr Beck)

Unsere regelmäßigen Gartenfeste bereichern das Vereinsleben bei Spiel und Spaß. Hier Impressionen aus den Jahren 2006 und 2013.
 

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Schwere Zeiten

 

In den ersten Jahren wies die Anlage fast ausschließlich nur Angehörige des öffentlichen Dienstes, wie Polizeiangehörige, Justizangestellte sowie Post- und Bahnbeamte aus.

Durch Dienstversetzungen und aus Altersgründen konnten jedoch später freiwerdende Gärten an Bewerber, wie z.B. Betriebsangehörige der Olympia-Schreibmaschinenwerke verpachtet werden.

Die Gartenanlage verjüngte sich zusehends, was sich auch auf den Besucherstrom belebend auswirkte.

Der 2. Weltkrieg ging an der Kleingartenanlage auch nicht spurlos vorüber. Die alten Festungsanlagen im Trommelgrund „Bastion Michael“ und im Wallgraben „Ravelin Anselm“ wurden zu Luftschutzbunkern hergerichtet. Vom Tor an der Gutenbergschule wurde ein Weg zum Bunkereingang im Trommelgrund angelegt, um den Einwohnern der Umgebung die Möglichkeit zu geben, Schutz vor den Bombenangriffen zu finden. Am 20. Februar 1944 wurden mehrere Gärten parallel zur Biereyestraße durch amerikanische Bombenangriffe zerstört.
Große Bombentrichter in 2 Gärten sowie zerstörte Gartenlauben waren das Ergebnis dieses Bombenangriffs. Glücklicherweise gab es keine Toten und Verwundeten. Kurz vor Kriegsende sollte ein letztes Aufgebot der faschistischen Wehrmacht den Petersberg wieder in eine Festungsanlage verwandeln. An der heutigen Auffahrt zum Petersberg in Höhe der alten Hornwerkkaserne und bei der Auffahrt zur Citadelle wurden Panzersperren in Form von spanischen Reitern, Schneepflügen und alten Wagen errichtet. Aber auch diese Hindernisse konnten das Ende des Krieges nicht aufhalten. Fast in letzter Minute vernichtete ein amerikanisches Artteleriegeschoss Laube und Geräteschuppen des Gartenfreundes Scholz.

Als am 12. April 1945 amerikanische Truppen von Bindersleben kommend, in die Stadt einzogen, machten sie mit ihren Panzern u.a. auch in der Biereyestraße halt, um die umliegenden Häuser und auch unsere Kleingartenanlage nach Resten der deutschen Kampfverbände abzusuchen und den weiteren Einmarsch in die Stadt abzusichern. Hunderte von Menschen hatten während der Bombenangriffe auf unsere Stadt Schutz in den Minengängen der Bastion Michael und Anselm gesucht. Auch viele Gartenfreunde waren unter den Schutzsuchenden und hatten die letzten Tage in ihren Gärten genächtigt, um bei Fliegeralarm schnell in die Luftschutzbunker zu kommen. Nun endlich war die Angst vorbei, die Menschen verließen hinter einer weißen Fahne die Minengänge und begaben sich zur Biereyestraße. Dort mussten sie einige Stunden ausharren. Als endlich keine Gegenwehr durch die deutsche Wehrmacht zu erkennen war, durften alle nach Hause gehen. Es dauerte nur wenige Tage und die ersten Gartenfreunde ergriffen wieder Besitz von ihren Parzellen. Nach und nach begann wieder das normale Gartenleben.
Die Nachkriegszeit zwang die Gartenfreunde alle Möglichkeiten zum Anbau von kleingärtnerischen Erzeugnissen zu nutzen, um dadurch zur Ernährung der Familie und Verwandten beizutragen. Alle nicht bebauten Flächen, waren diese auch noch so klein, wurden genutzt. So wurde u.a. der Kinderspielplatz ein Garten und wurde erst nach vielen Jahren seinem ursprünglichen Zweck wieder zugeführt. Einige Gartenfreunde nutzten ihren Garten auch zur Kleintierhaltung. So fand man in vielen Gärten Hühner, Kaninchen, Tauben und Bienen.
Am 18. Oktober 1948 wurde der Kleingarten-Verein „Petersberg“ e.V. im Landesverband der Kleingärtner und Kleinsiedler-Vereine Thüringen e.V. Erfurt eingetragen, womit die Gemeinnützigkeit wieder festgestellt und wirksam wurde.

40 Jahre Kleingartenanlage Petersberg in der DDR.

Ab 1950 wird der Petersberg wieder militärisch genutzt. Zu diesem Zeitpunkt wird die Kasernierte Volkspolizei als Vorauskomando (KVP) auf den Petersberg verlegt. 1956 wird die KVP in die  Nationale Volksarmee (NVA) umgewandelt, diese verbleibt bis 1964. Als verdeckte Kommandostellen werden ab 1981 auch drei Kleingärten genutzt, z. B. Garten 24.
Die Kulturbaracke "Kantine" wird 1981 und 1997 renoviert und bekommt einen PVC Fußboden, auch wird eine Theke installiert.
Ab 1964 wird ein Teil des Petersberges der Öffentlichkeit übergeben. Der größte Teil bleibt für die Sicherheitsorgane der DDR vorbehalten (Staatssicherheit, Polizei). Die Gartenanlage hat 1990 eine größe von 119 Gärten.

Feier zum 60. Jahrestag der Gartenanlage 1983. (Foto Privat Herr Schindler)

 

Wichtige Erreignisse wie das Jubiläum 1983 vorderten den staatlich Einfluss heraus. So ist auch die Einleitung ein zeitgeschichtliches Dokument:

Broschüre zum 60. Jahrestag der Gründung des Kleingartenvereins „Am Petersberg“ e. V

Zitat aus Einleitung von Herrn Brüll 1. Vorsitzender 1983.
 „Die Kleingartenanlage Erfurt-Petersberg begeht in diesem Jahr ihr 60-jähriges Bestehen.
Wir Mitglieder dieser Anlage haben daher allen Grund, unsere diesjährige Festveranstaltung in der Zeit vom 24.6. – 26.6. 1983 mit Stolz und Freude zu begehen, wenn wir bedenken,
daß all die Sorgen und Nöte, die in der 60-jährigen Geschichte bis 1945 seine Kleingärtner bedrückten, heute unter Führung der Arbeiterklasse und seiner marxistisch-leninistischen Partei für immer verschwunden sind.

Der Aufruf des Zentralkomitees der kommunistischen Partei Deutschlands vom 11. Juni 1945 an unser Volk gab die politische Grundlage für die Einheitsfront von Kommunisten und Sozialdemokraten und für die Verständigung aller demokratischen Kräfte.
Es begann der Weg zu einem neuen Deutschland.

Voller Stolz blicken wir nunmehr auf die Erfolge, die wir unter der Führung der Arbeiterklasse seit der Befreiung vom Faschismus errungen haben.

Unsere Mitglieder der Kleingartenanlage haben beim sozialistischen Aufbau nicht abseits gestanden.
Viele fleißige Hände haben sich geregt, um das zu schaffen,
um aus dem einstigen historischen Gelände für militante Zwecke eine blühende, friedliche Gartenanlage zu schaffen, wie wir sie heute besitzen.

Es ist daher ein besonderes Bedürfnis, unseren fleißigen und einsatzbereiten Mitgliedern für ihre Leistungen und guten Taten auch im Namen des Vorstandes, des Verbandes der Kleingärtner, Siedler und Kleintierzüchter zu danken und ihnen Lob und Anerkennung auszusprechen.

Danken möchten wir aber auch all denen, die sich bei der Vorbereitung und Durchführung unseres Jubiläums selbstlos eingesetzt und aktiv mitgewirkt haben.

Mögen diese Festtage für alle einen angenehmen und würdigen Verlauf nehmen und Ansporn für weitere große Erfolge im Jahr 1983 – dem Karl-Marx-Jahr – sein.

Allen Mitgliedern und Gästen entbieten wir dazu die besten Grüße und wünschen ihnen Gesundheit und persönliches Wohlergehen.

Brüll
1. Vorsitzender“

 

Ein wichtiger Aspekt war die Erfüllung der Vorgaben über die zu leistende Abgaben/Ernten.
So wurde angestrebt, dass von 100 qm Gartenfläche 100 kg Obst und Gemüse zu produzieren sein.
Als Anreiz dienten festgelegte Preise für den Ankauf, diese waren meist höher als der Verkaufspreis im Laden.

Ein Artikel aus der Zeitung "Das Volk" von 1989. Zu einer Ausstellung zum 40. Jahrestag der DDR in der Gartenanlage "Dahlie".
 

Der Bau des Stromversorgungsnetzes

 Mitte der 80er Jahre stand eine große Herausforderung vor den Mitgliedern der Gartenanlage. Es ging darum, Voraussetzungen zu schaffen, damit jede Parzelle mit Elektroenergie versorgt werden kann. Wie entstand die Idee zu diesem Vorhaben?

In den Jahren zuvor hatten sich schrittweise einige Gartenfreunde durch Eigeninitiative über eine Freileitung vom Ravelin Anselm an das Stromnetz angeschlossen.

Da das anderen Gartenfreunden nicht verborgen blieb und die Vorteile Strom in einem Kleingarten zur Verfügung zu haben, offenkundig sind, machten sich auch andere Pächter entsprechende Gedanken. In einer Unterhaltung zwischen dem ehemaligen – zwischenzeitlich verstorbenen Gartenfreund Dittmar – und dem damaligen Vorsitzenden der Anlage, Gartenfreund Horst Brüll, wurde die Idee geboren, für die Gärten im Grund bei der Energieversorgung Stromanschluss zu beantragen. In dem Gespräch mit einem verantwortlichen Energiemitarbeiter machte dieser jedoch den Gegenvorschlag, die Elektrifizierung in der gesamten Gartenanlage durchzuführen.

Diese Konsequenz war der Ausgangspunkt dafür, dass im Laufe des Jahres 1987 ein komplettes Stromversorgungsnetz aufgebaut werden konnte. Allerdings wurde schnell deutlich, dass die erteilten Genehmigungen für diese Maßnahme eine Seite ist und die Realisierung die andere.

Doch allen Schwierigkeiten zum Trotz entwickelte sich eine in der Geschichte des Vereins sicher einzigartige Gemeinschaftsaktion.

Unter der Leitung von Gartenfreund Brüll, der immer wieder zur Eile drängte, kam es zu einer regen Betriebsamkeit.

Zunächst musste ein Elektrifizierungsplan erarbeitet werden, der alle Parzellen einschloss, die Gesamtkabellänge musste errechnet werden, sowie das weitere komplette Materialaufkommen. Wichtig war insbesondere, dass sämtliche Maßnahmen einschließlich der Planung ausnahmslos von Gartenfreunden realisiert wurden, was die finanziellen Belastungen im Rahmen hielt. Zudem stand mit dem Gartenfreund Heinz Schäfer ein vorzüglicher und einsatzbereiter Elektriker zur Verfügung, der die Installationsarbeiten übernommen hatte. Pächter, die berufliche oder sonstige Möglichkeiten hatten, die berühmten Beziehungen spielen zu lassen, waren besonders gefragt für die Beschaffungsmaßnahmen. Immerhin ging es neben dem Stromkabel um die Bereitstellung von Verteilerkästen, Hauskästen und Zählern und zuvor schon um die Technik zum Schachten der Kabelgräben. Heute lässt sich nicht mehr nachvollziehen, welcher Herkunft die verschiedenen Materialien waren, was die damaligen Kassenprüfer schier verzweifeln ließ, denn für so manches Teil lag keine Quittung vor. Im Herbst 1987 konnten dann die Spartenmitglieder der Kleingartenanlage in ihren Lauben erstmals das Licht anschalten.

 

 

Die Zeit nach der Wende1989/90

Logo KGV "Am Petersberg" bis 2007

 

Mit dem Ende der DDR löste sich am 27.10.1990 der Verband der Kleingärtner, Siedler und Kleintierzüchter (VKSK) auf und es wurden gemäß der Bestimmungen des Einigungsvertrages die jeweiligen Sparten in eigenständige Fach- und Landesverbände überführt.
Nach anfänglichem Zögern wurde unsere Gartenanlage Mitglied im Stadtverband der Kleingärtner und es erfolgte im Januar 1992 die Registrierung im Vereinsregister des Amtsgerichtes Erfurt.

Bereits kurz nach dem Anschluss der ehemaligen DDR an die Bundesrepublik begannen unruhige Zeiten für unsere Gartenanlage. Verunsicherung und Ungewissheit verbunden mit der Frage, wie es weitergeht, waren unter den Kleingärtnern groß. Ursache dafür war insbesondere die in Angriff genommene Sanierung der Festungsanlage Petersberg, in deren Wallgräben wunderschön eingebettet, ein Teil des Gartenpachtlandes lag. Gewiss im Glauben nichts Falsches zu tun, oder aus allzu großem Respekt vor den kommunalen Forderungen wurden widerstandslos die Gärten rund um das Ravelin Anselm geräumt. Im Jahr 2005 wurde aus Sicherheitsgründen die Räumung der Gärten im Trommelgrund (Bastion Michael-Ravelin Anselm)
angeordnet. Die Vereinsmitglieder wurden entschädigt.

Das Bild zeigt einen Teil der Gartenanlage (Trommelgrund), die 2005 geräumt wurde.


Allerlei Gerüchte unter den Kleingärtnern, z.T. von ihnen selbst gestreut, über eine baldige Beseitigung der gesamten Anlage führten vielfach zusätzlich zu Resignation und Unsicherheit und man stellte sich die Frage, welche Investitionen lohnen sich noch? Der einst vorbildliche Zusammenhalt unter den Pächtern nahm Schaden. Dieser und jener Kleingärtner wollte den Duft der großen weiten Welt einatmen und gab seine Parzelle auf. Die Warteliste von Bewerbern für frei werdende Gärten schrumpfte.
Zum Glück gab es aber noch Gartenfreunde, die die Dinge gelassener sahen uns ich weiter um das Vereinsleben sorgten.

Unser Spielplatz wurde mit neuen Geräten ausgestattet, die von vielen Kindern bis heute begeistert benutzt werden. Ein neuer und massiver Vereinsgeräteschuppen mit angeschlossenem WC wurde als Ersatzobjekt für die alte Baulichkeit von ABM-Kräften der Bauhütte Petersberg in unmittelbarer Nachbarschaft des Vereinshauses errichtet. Dieses Zugeständnis war insbesondere den nachdrücklichen Forderungen des ehemaligen Vorsitzenden, Gartenfreund Schley, zu verdanken.

Gegenwärtig hat sich die Lage etwas beruhigt. Städtische Großraumplanungen tragen langfristigen Charakter und sollten keine weiteren Ängste schüren. Es folgte nach langer Diskussion mit der Stadt Erfurt 2010 eine Durchwegung von der Biereyestraße/Gutenbergplatz zum Petersberg Bastion Michael. Die Vereinsmitglieder wurden entschädigt.

Weg von den Wohngebieten um den Gutenbergplatz zur ehemaligen Festung Petersberg.

Die zeitweiligen Nachwuchssorgen schwinden zusehend. Die ständige Nachfrage nach freiwerdenden Gärten spricht eine eigene Sprache und veranlassten den Vorstand wieder eine Warteliste anzulegen. Aber nicht nur für Vereinsmitglieder ist die Anlage eine Oase in der Hektik des Alltages. Viele Besucher, die unseren Terrain vorher gar nicht, oder nur von außen kannten, sind begeistert und schwärmen von der idealen innerstädtischen Lage.
Unser Vereinshaus wird zunehmend ein Magnet für Familienfeiern der Mitglieder. Das veranlasste die Vereinsmitglieder in jüngerer Vergangenheit dazu, die Fassade der Kulturbaracke "Kantine" zu erneuern und dem Küchenanbau außen und innen ein neues Aussehen zu geben. 2015 bekommt die Kulturbaracke "Kantine" einen neuen PVC Fußboden und die Wände werden gestrichen. In den Jahren davor sind ein Betonsockel für die standfestigkeit des Gebäudes eingebaut worden auch eine Wandtäfelung innnen wurde angebracht. Die Baracke ist wahrscheinlich schon in den 30. Jahren errichtet worden. Vieles spricht also dafür, dass wir in unserer schönen Gartenanlage auch zukünftig gemeinsam den kleingärtnerischen Freuden nachgeben können. Im Jahr 2011 hatte unsere Anlage 85 Gärten mit 143 Mitgliedern. 2023 feiern wir die Vereinsgründung zum 100. mal.

 

 

 

 

 

 Liste der Vereinsvorsitzenden:

Reinhold Lenz 1923-1924

Richard Marcus 1924-1929

Karl Stockhausen  1929-1932

Herz 1932-1946

Schieke 1946-1947

Hermann Boxberg 1947-1958 

Uhlental 1958-1970

Rudi Suckert 1970-1981

Horst Brüll 1981-1990

Günter Broäder 1990

Günter Schley 1991-1995

E. Schindler 1995-dato